
Als letztes Ereignis dieses Abends beschlossen wir, dem örtlichen Lichtspielhaus am Times Square einen Besuch abzustatten.
Da man sich mit so vielen Leuten generell schlecht auf eine Kategorie Film einigen kann,
separierten wir uns von Anfang in 2 Gruppen.
Unsere Horrorfilmgruppe und die Andere, die irgendwas anderes gucken wollten. Für uns stand seit Tagen fest, den Film "My Bloody Valentine" anzuschauen, zu mal dieser in 3D gezeigt wird.
Im Kino angekommen stellten wir jedoch fest, dass die 20:30 Vorstellung ausverkauft war. Da wir aber heiss auf den 3D Film waren, entschieden wir uns für die 23:00 Vorführung und verlegten in eine umliegende Bar.
Dort saßen wir in einem kleinen Nebenraum die Zeit ab und erwarteten einen Nachzügler, der sich noch von Brooklyn aus auf den Weg ins Herzen Manhattans machte.
Bei einem späteren Besuch und diesmal im normalen Bar-Bereich entpuppte sich dieser Laden
als eine Art "Südstaatenkneipe", in der die ganze Zeit richtig amerikanische Musik lief:
Country-Pop, Rock und natürlich Truckermusik.
Zurück im Kino wollten wir gerade den Saal betreten, als man uns darauf hinwies, dass es schon eine Schlange gibt für den Saal und wir uns bitte an deren Ende anstellen sollte. Gut, war diese Schlange bei Öffnen der Saaltüren sowieso hinfällig und alle "stürmten" den Sitzbereich.
Ein paar von uns begaben sich nach Sicherung der Plätze zurück in den Verpflegungsbereich um das Angebot an Zwischenmahlzeiten zu prüfen.
Zu meinem Leidwesen haben Amerikaner das Popcorn anscheinend am liebsten salzig. Gesüßtes gab es nicht, dafür aber extra viel flüssige Butter! Ich entschied mich für eine mittlere Cola und staunte nicht schlecht!Als eine Cola mittlerer Größe wurde mir ein ganzer Liter Cola überreicht, bei dessem Anblick ich mich innerlich schon alle 2 Minuten auf der Toilette sah.
Verwunderlich war auch, dass die Preise für kleine Mahlzeiten im Kino durchschnittlich unter denen deutscher Kinos lagen. Die mittlere Cola lag bei knapp unter 5 Dollar, was zwar nicht billig, aber deutlich günstiger als ihr deutsches Äquivalent ist.
Ich vollbrachte übrigends das Kunststück, meine 3D Brille schon vor dem Film zu verlieren und musste auf eine Ersatzbrille zurück greifen
Schon auf dem Weg zurück zum Platz fiel im unteren Sitzbereich eine sehr dicke schwarze Frau auf, die laut rumpöbelte.
Keiner wusste was sie wollte, aber langsam formierte sich der pöbelnde Widerstand im oberen Bereich, wo auch wir saßen.
Generell pflegen Amerikaner eine sehr lebhafte Kinokultur. Es lag vielleicht daran, dass die meisten Kinobesucher Schwarze waren, die ja bekanntlich ein eher lautes Wesen haben.
Schon bei den Trailern vor dem Hauptfeld wurde laut gejubelt und mehr kommentiert als Netzer & Delling es je tun könnten.
Der Film fing an und es wurde ruhig im Saal. Kurz. Denn als man kurz darauf eine Krankenstation einer Kleinstadt sah, deren Patienten und Personal alle völlig zermatscht überall
rumlagen, ging ein unglaublicher Lärm los, der alle Geräusche abdeckte.
Der Film, der ohne die 3D-Brillenaktion nur sehr unterdurchschnittlich wäre, war voller unsinniger logikaussetzer, aber das sei ihm verziehen. Wie jedoch der ehem. Minenarbeiter, der 7 Jahre im Koma lag sofort nach dem Aufwachen mit bloßen Händen ca. 30 Menschen zerfleischen konnte, wird wohl ungeklärt bleiben müssen.
Die Waffe die der Mörder im sonstigen Film benutzte, ist eine Spitzhacke. Mit dieser kann er unglaubliche Dinge vollbringen und sie scheint ihm irgendwie Superkräfte zu verleihen.
So kickt er die runterfallende Hacke einem seiner Opfer gekonnt mit dem Fuß direkt ins Gehirn.
Geil waren die Animationen durch die 3D Brille. So fliegen Pistolenpatronen oder die magische Spitzhacke auf einen zu, durch den Raum oder man sieht genau in die Gewehrmündung des betrunkenen Opas.
Jedes Mal wenn die Hacke irgendwem in die Birne gekloppt wurde, gingen Schreie, Jubeleinlagen und Pfiffe durch den Saal. Wie auf dem Basar. Am Lustigsten war jedoch die dicke Schwarze unten in der ersten Reihe. Entweder ihr Gepöbel wurde durch lautes Brüllen von oben niedergehalten oder sie regte sich ganz laut über irgendwas auf, was immer wieder zu lauten Protesten führte. Mir persönlich gefiel am Besten, als sie mitten im Film anfing zu telefonieren (!!) Nachdem eine laute Szene die Proteste noch überdeckte, bekam sie beim nächsten Dialog die volle Breitseite. "Shut up, Bitch!" war noch das netteste, als sich der halbe Saal erhebte und anfing sie niederzubrüllen. Danach war aber auch Ruhe, ausser dem normalen Gebrüll halt.
So feuerte der Saal die leicht bekleidete Dame an, als sie vor dem Mörder wegrannte oder man erboste sich daran, dass die Schnepfe vor einem massenmordenden Minenarbeiter Zuflucht in genau der verlassenen Mine suchte, in der vor 20 Jahren alles begann. "Stupid Bitch!" und ein lautes "NOOOOOO!!!" schallten durch den Saal.
Nach dem Film waren wir nicht nur über den durchschnittlichen Film am diskutieren, sondern vor Allem über das Jugendschutzsystem der Amerikaner.
Der Film hatte die Wertung "PG-17", also Parental Guidance - 17.
Das heisst, das jeder unter 17 Jahren den Fim nur in Begleitung eines Erziehungsberechtigten angucken darf. Ist jedoch ein Elternteil dabei, ist es völlig egal wie alt man ist.
So kam es dann, dass Nachts um 23:00 relativ viele Kinder im Vorschulalter in den Genuss eines Horrorfilms gekommen sind. Die Gesichter zeigten auch deutlich wie sehr sích u.A. das knapp 5 jährige Mädchen darüber gefreut hat. Auch in der Schlange zur 0:30 Vorstellung waren wieder zahlreiche kleine Kinder, die danach vermutlich eine sehr geruhsame Nacht hatten.